{"id":368,"date":"2022-07-07T10:56:49","date_gmt":"2022-07-07T08:56:49","guid":{"rendered":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=368"},"modified":"2022-08-24T16:18:51","modified_gmt":"2022-08-24T14:18:51","slug":"berichte-einer-feministischen-reise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=368","title":{"rendered":"Berichte einer feministischen Reise"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>01.12.2018<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unsere Ankunft in Ba\u015fur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind nun angekommen in einer Region, welche viele von uns vor allem aus den Nachrichten oder Berichten kannten. Einem Land, welches seit Jahrzehnten immer wieder von Krieg heimgesucht wurde und immer noch wird. Wir befinden uns im Mittleren Osten; genauer der Autonomen Region Kurdistan, im Staatsgebiet des Iraks.<br>Wir sind hier als eine feministische Delegation von Frauen* und nicht bin\u00e4ren Menschen aus Deutschland. In S\u00fcdkurdistan ist momentan unser Zwischenstopp. Wir sind hierher gekommen, um die Revolution in Rojava zu sehen, um mehr \u00fcber die gesellschaftlichen Ideen der Brefreiungsbewegung aus Kurdistan und ihrer Umsetzung zu erfahren. Um die Geschichte und Realit\u00e4ten der Menschen kennen und verstehen zu lernen. Wir sind auch hier, weil wir uns als Feminist*innen verstehen und uns deshalb in starker Verbindung zu den Frauenstrukturen der Befreiungsbewegung aus Kurdistan sehen. Mit unserer Reise wollen wir an Begegnungen ankn\u00fcpfen, die die Erarbeitung von gemeinsamen Perspektiven f\u00fcr den Aufbau gesellschaftlicher Alternativen zum Ziel hatten und haben.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Wir wollen Interviews mit unterschiedlichen Frauen* f\u00fchren. Wir wollen verschiedene Perspektiven, Geschichten und Realit\u00e4ten von Frauen* kennenlernen, zuh\u00f6ren, gemeinsam diskutieren und aus diesen Erfahrungen lernen. Wir wollen internationalistisch-feministische Verbindungen aufbauen und die hier gesammelten Erfahrungen mit anderen teilen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bevor es aber auf nach Rojava gehen kann, m\u00fcssen wir warten. Wir befinden uns zwischen Hewler (Erbil) und Mosul, eine Stadt die vor kurzer Zeit fast vollst\u00e4ndig zerbombt und vom IS bedroht wurde. S\u00fcdwestlich von Erbil liegt der Shengal, wo vor nicht allzu langer Zeit Jesid*innen vom IS eingekesselt wurden und, au\u00dfer der YPG\/YPJ, niemand zu Hilfe kam. In der N\u00e4he befindet sich Kirkuk, wo am 15ten Oktober 2017 die aus dem Iran finanzierte Hashd al-Shaabi Miliz in Zusammenarbeit mit dem irakischen Milit\u00e4r, tausende Kurd*innen zur Flucht zwangen und seitdem das Gebiet besetzt halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir nutzen die Wartezeit, um mehr \u00fcber die Menschen hier, ihre Geschichte und Situation zu erfahren. Darunter ein Besuch des Amna Suraka Museums in Slemani, welches sich mit den sogenannten Anfal-Operationen des Saddam-Regimes auseinandersetzt. Vor kurzem wurde das Museum erweitert und bindet jetzt auch den Kampf gegen den IS in das Gedenken mit ein. All dies wurde im ehemaligen Foltergef\u00e4ngnis aufgebaut. Ein Ort, der uns sehr beeindruckt hat. Der von den Grausamkeiten des Krieges zeugt und mit Hilfe der DDR damals erbaut wurde. Die Geb\u00e4ude sind \u00fcbers\u00e4ht von Einschussl\u00f6chern und der Baustil, mit hohen Fenstern, klobigen Betonkonstrukten und abgesetzten Vorst\u00fccken \u00e4hnelt den Bauten der 70er Jahre in Ostdeutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig kn\u00fcpfen wir erste Kontakte mit den lokalen Frauenstrukturen. Daf\u00fcr treffen wir uns mit Vertreterinnen von R\u00eaxistina Jin\u00ean Azad\u00eexwaz \u00ean Kurdistan\u00ea (RJAK), der Frauenbewegung von Ba\u015fur, sowie der diplomatischen Vertretung von Nordsyrien in Ba\u015fur (TEV-DEM), Kongreya Star (Rojava) und mit Jinen Ciwan (junge Frauen). Wir erfahren von den K\u00e4mpfen hier, von den Schwierigkeiten der Selbstorganisierung in Ba\u015fur und lernen gleichzeitig Frauen kennen, die uns mit ihrer St\u00e4rke und Ausdauer beeindrucken, unsere Perspektiven auf eine autonome Organisierung bereichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Tagen trafen sich die jungen Frauen aus Ba\u015fur zu ihrer zweiten Konferenz, an der einige von uns teilnehmen konnten. Dort kamen circa 100 junge Frauen zusammen, die gemeinsam \u00fcber ihre Situation diskutierten und die Arbeiten der letzten Jahre auswerteten. Zudem wurden zuk\u00fcnftige Aktionen geplant. Zu diesen Besuchen werden wir noch einzelne Berichte schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir warten hier auch grade in einer Situation, in der Teile Rojavas sowie auch Teile Ba\u015furs konstant und immer verst\u00e4rkter von den t\u00fcrkischen Einheiten und ihren Verb\u00fcndeten angegriffen werden. In Bakur h\u00e4lt der Belagerungszustands durch die T\u00fcrkei weiterhin an.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere letzten Wochen in Deutschland waren gepr\u00e4gt von Abschied, Vorbereitungen und Ungewissheit \u00fcber die kommende Zeit. Es ist eine absurde Situation nun so nah an dem faschistischen Krieg zu sein, der uns alle auf unterschiedlichste Art und Weise die letzten Jahre besch\u00e4ftigt hat und trotzdem nicht zu unseren Freund*innen zu k\u00f6nnen, weil die t\u00fcrkische Embargopolitik gegen Rojava uns den Weg versperrt. Es ist ungewohnt keinen Einfluss auf gehen und bleiben haben zu k\u00f6nnen. Dennoch versuchen wir unsere Tage zu strukturieren unserem Stillstand Bewegung zu geben. Scheinbar geh\u00f6rt das Warten zur Revolution eben auch dazu. George Orwell beschreibt seine Zeit im Spanischen B\u00fcrgerkrieg, wenngleich seine Situation dort eine g\u00e4nzlich andere ist als unsere, mit den Worten: \u201eDer Zeitabschnitt, der damals so nutzlos und ereignislos zu sein schien, ist heute von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr mich. Er unterscheidet sich so sehr von meinem \u00fcbrigen Leben, dass er schon jetzt im Licht einer zauberhaften Qualit\u00e4t erscheint, die sich normalerweise nur bei Erinnerungen einstellt, die viele Jahre alt sind.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Reise sehen wir als einen Teil des Austauschs und der Vertiefung des gemeinsamen internationalistischen und feministischen Kampfes. Wie wollen wir leben? Was bedeutet Freiheit? Wie sieht eine Frauenrevolution aus und was bedeutet das f\u00fcr uns? Alles Fragen, die uns schon sehr lange besch\u00e4ftigen und die wir mit den Frauen* hier diskutieren wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dementsprechend hoffen wir, dass unsere Wege bald weitergehen und wir euch an unseren Erfahrungen teilhaben lassen k\u00f6nnen. Oder um mit den Worten einer Freundin abzuschlie\u00dfen: \u201eDer Fr\u00fchling ist sehr sch\u00f6n, weil er bunt ist. \u00dcberall sind Blumen und Kr\u00e4uter, V\u00f6gel und das Rauschen des Wassers. Alles vermischt sich miteinander. [&#8230;] Wenn wir ein internationalistisches demokratisch-konf\u00f6derales System aufbauen, so wird es wie der Fr\u00fchling sein, nicht wie der Winter oder der Sommer.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>01.12.2018 Unsere Ankunft in Ba\u015fur: Wir sind nun angekommen in einer Region, welche viele von uns vor allem aus den Nachrichten oder Berichten kannten. Einem Land, welches seit Jahrzehnten immer wieder von Krieg heimgesucht wurde und immer noch wird. 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