{"id":469,"date":"2022-07-07T11:13:16","date_gmt":"2022-07-07T09:13:16","guid":{"rendered":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=469"},"modified":"2022-08-24T16:18:31","modified_gmt":"2022-08-24T14:18:31","slug":"flucht-und-migration-nach-basur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=469","title":{"rendered":"Flucht und Migration nach Ba\u015fur"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>05.12.2018<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen durch die Innenstadt von Suleman\u00ee, Autos und Fu\u00dfg\u00e4ngerinnen teilen sich die engen Stra\u00dfen mit St\u00e4nden, an denen gegrilltes Fleisch, Bohnen mit Reis, Kichererbsensuppe, Falafel, Pudding, Zigaretten, Kleidung, Gew\u00fcrze oder Spielsachen verkauft werden. Frauen und Kinder sind in diesem Stadtteil wenige zu sehen, es ist eine M\u00e4nnerwelt, vor allem am Abend. So gut wie alle Verk\u00e4ufer sind M\u00e4nner oder Jungen. Vereinzelt betteln Kinder oder versuchen den Passantinnen Kaugummis oder Plastikt\u00fcten zu verkaufen. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/90.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-460\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Frauen sind hier im Zentrum im Stra\u00dfenbild kaum pr\u00e4sent, aber es gibt sie vereinzelt. Einige Stra\u00dfen weiter gibt es M\u00e4rkte, wo mehr Frauen und M\u00e4dchen unterwegs sind. Auch im Daik Parki. Der Park ist nach einer grossen Frauenstatue benannt, die in der Mitte steht und zu Ehren der Mutter gebaut wurde. Keiner bestimmten Mutter, sondern der Mutter allgemein. Wir wundern uns \u00fcber ihre Bedeutung und sprechen drei junge Frauen an, die im Park sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Alle drei studieren in Suleman\u00ee und erz\u00e4hlen uns \u00fcber ihren Alltag. Sie wohnen zusammen in einem Studentinnenheim. Als Frauen m\u00fcssen sie um f\u00fcnf Uhr immer zu Hause sein. Die M\u00e4nner k\u00f6nnen bis 10 Uhr abends drau\u00dfen bleiben. Das finden sie unfair. Studieren in den staatlichen Universit\u00e4ten ist kostenlos, ebenso das Studentinnenheim, allerdings nur, wenn man einen bestimmten Notendurchschnitt erreicht hat. \u201eWie gef\u00e4llt es euch in Kurdistan?\u201c fragen sie. Sie betonen, dass sich Frauen \u00fcberall sicher bewegen k\u00f6nnten, nat\u00fcrlich gebe es einige Pl\u00e4tze, an denen sie sich nicht so wohl f\u00fchlen, aber im Allgemeinen gebe es z.B. keine sexuelle Bel\u00e4stigung. Es sei eben auch ein muslimisches Land, in dem es bestimmte Werte gebe. Es h\u00e4tte aber viele Probleme in den letzten Jahren gegeben, wegen des Krieges mit Daesh und der \u00f6konomischen Krise. Die Regierung h\u00e4tte die L\u00f6hne nicht mehr zahlen k\u00f6nnen, auch die Lehrerinnen h\u00e4tten gar keinen oder nur 50% des Lohnes bekommen und h\u00e4tten aus Protest nicht mehr unterrichtet. Jetzt seien die L\u00f6hne schon wieder auf einem Niveau von 75% der vorherigen L\u00f6hne angekommen.<br>Suleman\u00ee sei die weltoffenste Stadt in Ba\u015fur, wird uns erkl\u00e4rt. Die Menschen sind sehr freundlich und \u201eDie Bev\u00f6lkerung in Suleman\u00ee ist sehr ehrlich\u201c, erkl\u00e4rt uns die Freundin Kurdistan, \u201eviele Gesch\u00e4fte im S\u00fbq (Markt) werden abends einfach mit einem Vorhang verschlossen, w\u00fcrde man das bei Juweliergesch\u00e4ften machen, niemand w\u00fcrde etwas stehlen.\u201c W\u00e4rend unserer Zeit in Bashur, kommen wir immer wieder ins Gespr\u00e4ch mit den Menschen. Viele davon haben bereits in Europa gelebt und sind jetzt aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden wieder hier.<br>\u201eZwei Jahre war ich in Stuttgart\u201c, berichtet der Puddingverk\u00e4ufer, \u201eaber ich habe meine Familie so vermisst, meine Eltern und Geschwister, da bin ich zur\u00fcckgekommen\u201c. Er wirkt zufrieden. Auch der K\u00e4seh\u00e4ndler war einige Jahre in Holland und spricht flie\u00dfend Englisch. Auch er hat dort seine Familie vermisst, war einsam. \u201eJetzt f\u00fchre ich mit meinem Bruder diesen Laden, seine und meine Familie, wir alle k\u00f6nnen davon leben und arbeiten alle zusammen\u201c, sagt er strahlend. Die Ladenfl\u00e4che betr\u00e4gt gerade einmal ca. neun Quadratmeter. In einem Elektroladen spricht uns der Verk\u00e4ufer auf Englisch an. Warum er so gut Englisch spreche, fragen wir ihn. \u201eIch war Englischlehrer, aber die verdammte Regierung hat uns seit 20 Monaten nicht bezahlt\u201c, flucht er, \u201eda war ich gezwungen einen Laden aufzumachen\u201c. Am Abend, als wir an einem Stra\u00dfenstand essen, kommt eine \u00e4ltere Frau, sie spricht uns auf Kurmanc\u00ee an: \u201eIch komme aus Aleppo, ich muss meine Kinder hier mit Betteln durchbringen\u201c. Es gibt keine staatlichen Hilfen f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten, sie m\u00fcssen sehen, wie sie durchkommen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/92.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-462\" width=\"507\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/92.jpg 768w, https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/92-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:9px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:8px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:18px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gefl\u00fcchtete aus Rojava<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von Gefl\u00fcchteten aus Rojava haben wir schon bei einem Besuch bei Kongreya Star geh\u00f6rt. 2500 Familien aus Rojava leben im \u201eKamp Arbat Bar\u00eeka\u201c ca. 30 Kilometer s\u00fcdlich von Suleman\u00ee. Zuvor waren es 20.000, aber die meisten sind zur\u00fcckgegangen. Die Flucht begann 2012, mit dem Beginn des Krieges in Syrien. \u201eViele wollen zur\u00fcckgehen, aber sie haben sich auf dem Gel\u00e4nde des Camps inzwischen H\u00e4user oder Gesch\u00e4fte aufgebaut. Die Regierung l\u00e4sst nicht zu, dass die Campbewohner*innen ihre H\u00e4user oder Gesch\u00e4fte verkaufen. \u201eDa sie aber alle ihre Mittel dort hineingesteckt haben, k\u00f6nnen sie nicht zur\u00fcck\u201c, berichtet eine Freundin. \u201eNicht einmal Fenster oder T\u00fcren d\u00fcrfen sie verkaufen\u201c. In Arbat Bar\u00eeka, sind die Campbewohner*innen in Selbstverwaltung organisiert, die Bewegung kann in das Camp gehen, berichtet sie weiter. Die YNK (PUK) mischt sich nicht gro\u00df ein. Anders sei die Situation in den Gebieten, die der PDK (KDP) unterstellt sind. \u201eDie Fl\u00fcchtlingscamps dort \u00e4hneln Gef\u00e4ngnissen\u201c, sagen die Freundinnen, Frauenhandel sei an der Tagesordnung, niemand von der Bewegung d\u00fcrfe in die Camps. Die Freundin C\u00eehan berichtet dar\u00fcber, dass die Menschen aus Afr\u00een schnell zur\u00fcckwollen \u201edenn es gibt gro\u00dfe kulturelle Unterschiede, die Frauen aus Afr\u00een sind sehr mit ihrem eigenen Land verbunden, mit der Natur verbunden, mit ihrer Erde verbunden. Viele sagen wir gehen lieber nach \u015eehba und leben dort in Zelten ohne Fenster und T\u00fcren, aber wir k\u00f6nnen solch ein Leben wie hier in Suleman\u00ee nicht f\u00fchren, z.B. werden auch die Kinder auf Soran\u00ee unterrichtet, das sich sehr von Kurmanc\u00ee unterscheidet.\u201c<br>Eine weitere Freundin, die gerade aus \u00d6sterreich gekommen ist, berichtet, dass eigentlich die meisten Gefl\u00fcchteten aus Rojava, die in \u00d6sterreich leben, zur\u00fcck wollten, aber als jetzt der Angriff auf Afr\u00een stattgefunden hat, h\u00e4tte viele eine gro\u00dfe Panik ergriffen. \u201eSie haben ihre Pl\u00e4ne zur\u00fcckzukehren erst mal auf Eis gelegt.\u201c<br>Wir kommen ins Gespr\u00e4ch mit arabischen Gefl\u00fcchteten aus Selahaddin. \u201eZuerst haben hier viele Kurden aus Rojava gearbeitet\u201c, berichtet uns ein Gesch\u00e4tsinhaber, \u201eaber als Europa die T\u00fcren f\u00fcr die Syrer*innen weit aufgemacht hat, sind sie alle nach Europa gegangen.\u201c Diesen Punkt hatte auch die Freundin Medya schon angesprochen: \u201eEs ist eine Politik der Staaten den Mittleren Osten von Jugendlichen zu entleeren\u201c. Vor allem haben nat\u00fcrlich die gut ausgebildeten und wohlhabenden Menschen dem Mittleren Osten den R\u00fccken gekehrt, was auch Nordsyrien vor gro\u00dfe Probleme stellt, denn es fehlen \u00fcberall die Fachkr\u00e4fte.<br>Ein weiterer Gespr\u00e4chspartner aus Selahaddin erz\u00e4hlte uns, dass seine Stadt 2015 von Daesh (dem sogenannten Islamischen Staat) eingenommen wurde. Vor f\u00fcnf Monaten haben die Hashd al Shabi Daesh vertrieben, aber auch vor ihnen f\u00fcrchten sich die Gefl\u00fcchteten. Auch sein Freund Nurettin kann noch nicht zur\u00fcck. Sein Haus wurde zerst\u00f6rt. 2015 floh er vor Daesh nach Suleman\u00ee. Wir fragen ihn, wie es ihm hier in Suleman\u00ee geht, seine ganze Familie ist hier. Er sagt, f\u00fcr ihn macht es keinen Unterschied. Inzwischen spricht er flie\u00dfend Soran\u00ee, Kurmanc\u00ee und schon etwas Englisch. \u201eAraber*innen und Kurd*innen sind eins, wir alle wollen einen friedlichen Irak\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.12.2018 Wir gehen durch die Innenstadt von Suleman\u00ee, Autos und Fu\u00dfg\u00e4ngerinnen teilen sich die engen Stra\u00dfen mit St\u00e4nden, an denen gegrilltes Fleisch, Bohnen mit Reis, Kichererbsensuppe, Falafel, Pudding, Zigaretten, Kleidung, Gew\u00fcrze oder Spielsachen verkauft werden. Frauen und Kinder sind in diesem Stadtteil wenige zu sehen, es ist eine M\u00e4nnerwelt, vor allem am Abend. 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