{"id":481,"date":"2022-07-07T11:31:42","date_gmt":"2022-07-07T09:31:42","guid":{"rendered":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=481"},"modified":"2022-08-24T16:18:13","modified_gmt":"2022-08-24T14:18:13","slug":"niemals-vergessen-im-nationalen-museum-amna-suraka-in-sulemani","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=481","title":{"rendered":"Niemals vergessen, im Nationalen Museum Amna Suraka in Suleman\u00ee"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>05.12.2018<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Das Museum Amna Suraka in Gedenken an kurdische Freiheits*k\u00e4mpferinnen war zu der Zeit des Baath-Regimes ein Geheimdiensthauptquartier und Foltergef\u00e4ngnis unter Ali Hassan Majin, dem ber\u00fcchtigten \u201eChemie Ali\u201c.2 Diese Sicherheitsfestung, 16,880 m\u00b2 gro\u00df, wurde am 30.09.1979 mit Hilfe der DDR im Zentrum von Suleman\u00ee erbaut. Das Geb\u00e4ude wurde ab 1984 in voller Kapazit\u00e4t genutzt, bis es 1991 w\u00e4hrend des kurdischen Aufstandes befreit wurde. Tausende wurden hier gefoltert und ermordet. Zun\u00e4chst wurde das Gel\u00e4nde bis 1996 zum Zufluchtsort f\u00fcr vertriebene Familien aus der Stadt Kirkuk. Aufgrund der Bem\u00fchungen von Hero Ibrahim Ahmad3 wurde das gesamte Gel\u00e4nde in ein nationales Museum umgewandelt, nachdem sie einen neuen Ort f\u00fcr die gefl\u00fcchteten Menschen gefunden hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gel\u00e4nde umfasst sieben Geb\u00e4ude in denen sich die Funktion\u00e4re der Regierung koordinierten, Aktivit\u00e4ten der Gesellschaft sowie Publikationen in Suleman\u00ee \u00fcberwachten und vor allem Gefangene verh\u00f6rten folterten und ermordeten. Die Gr\u00e4ueltaten, die auf diesem Gel\u00e4nde stattfanden, spielten eine aktive Rolle im Versuch die kurdische Identit\u00e4t auszul\u00f6schen und die Kultur zu deformieren. Wenn man das Gel\u00e4nde betritt, f\u00fchlt man sich wie in die DDR der 1970er Jahre versetzt. Das liegt nicht nur an den IFA-Lastwagen die neben Panzern auf einer Wiese stehen, welche direkt ins Auge springen. Sondern vor allem auch an den Betonbauten die mit Hilfe der DDR errichtet wurden.<br>Der Rundgang durchs Museum beginnt mit einem sehr eindrucksvollen Mahnmal des Gedenkens an die acht Anfal-Offensiven. Die Halle der Spiegel, die ehemalige Kantine der Folterknechte wurde zu einem Gedenksymbol umgebaut.<br>Ein Gedenksymbol f\u00fcr die w\u00e4hrend der Anfal-Offensiven ermordeten Menschen und zerst\u00f6rten D\u00f6rfer. Die W\u00e4nde sind mit 182 000 zerbrochenen Spiegelscherben f\u00fcr die gleiche Anzahl an Menschen die zwischen 1986 und 1989 ermordet wurden geschm\u00fcckt. Die Decke dieser W\u00e4nde ist mit kleinen Lichtern best\u00fcckt, die den Raum beleuchten, mit je einem Licht pro Dorf das zerst\u00f6rt wurde, was insgesamt 4 500 Lichter bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Museumsgeb\u00e4ude angekommen geht man durch Ausstellungsr\u00e4ume, in denen traditionelle kurdische Kleidung und Teppiche aus verschiedenen Regionen gezeigt werden: \u201e&#8230;das ist die Kultur, die Saddam vernichten wollte\u201c, erkl\u00e4rt uns der Guide und erz\u00e4hlt, dass auch seine Familie an die iranische Grenze fliehen musste. Die Spuren matriarchaler Kulturen erhalten sich auf den Teppichen, dessen Webart Muster zeigen, welche die m\u00fctterliche Stammlinie darstellen.<br>Im n\u00e4chsten Raum sehen wir ausgestellte antik wirkende Waffen, doch dazu wird uns nicht viel erkl\u00e4rt, was sp\u00fcrbar macht, dass der Guide den Raum schnell wieder verlassen m\u00f6chte. Diese Distanz wird auch durch einen Text auf einer Tafel deutlich: \u201eWir haben weder diese Waffen hergestellt, noch sind wir stolz diese auszustellen. Vielmehr wurden diese von denen benutzt, die unsere Existenz bedroht haben. Wir geben ebenso zu, dass eben jene Waffen uns geholfen haben, unsere Freiheit zu erlangen\u201c.<br>Den Raum verlassen, die Treppe hinuntergegangen kommen wir in einen mit Fotos geschm\u00fcckten Raum. Die auf den Bildern gezeigten Familien auf der Flucht aus ihren D\u00f6rfern, bringen einem die Ausma\u00dfe des Genozids vom Baath-Regime etwas n\u00e4her. Auf einer Tafel wird auf den 31.M\u00e4rz 1991 hingewiesen, welcher einen Wendepunkt in der Geschichte des kurdischen Volkes darstellt. Da in dessen Folge die UN-Resolution von 1988 entstanden ist zur Errichtung einer Flugverbotszone, welche im weiteren zur Gr\u00fcndung des KRG (Kurdistan Regional Government) f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:12px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u201eEs leben die Gefallenen<\/strong>&#8222;<\/h5>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/87.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-457\" width=\"545\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/87.jpg 768w, https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/87-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 545px) 100vw, 545px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Tief beeindruckt uns der Raum, der den Gefallenen im Kampf gegen Daesh, den sogenannten islamischen Staat im Mittleren Osten, gewidmet ist. Die W\u00e4nde des gesamten riesigen Raumes, der eher dunkel gehalten ist, sind mit Bildern von K\u00e4mpferinnen und K\u00e4mpfern bedeckt. \u201eDies sind nicht alle K\u00e4mpfer*innen die gestorben sind, um alle zeigen zu k\u00f6nnen haben wir nicht den Platz\u201c wird uns anschlie\u00dfend erkl\u00e4rt.<br>Die von hinten beleuchteten Fotos zeigen Gefallene der YNK, der PDK der YPG und YPJ. Wir entdecken auch einige Internationalist*innen wie Dilsoz Bahar oder Ivana Hoffmann. Offensichtlich war es den Macher*innen der Ausstellung wichtig, keinerlei Unterschiede zwischen den Organisationen zu machen, die gegen den gemeinsamen Feind gek\u00e4mpft haben.<br>An lebensgro\u00dfen in YPG und YPJ Uniformen gekleideten Wachsfiguren, vorbeigegangen werden wir in einen ca. 30m\u00b2 schlauchartigen gro\u00dfen Raum gef\u00fchrt.<br>Ein Raum der durch beleuchtete Namen und Bilder sehr eindrucksvoll die Geschichte der acht-Anfall-Offensiven aufgreift. Beim betreten sehen wir rechts und links Bilder von den geplanten Offensiven anhand von Karten erkl\u00e4rt. Neben leuchtenden Bildern von Kindern, Frauen und M\u00e4nnern stehen auf schwarzen Tafeln mit rot hinterleuchteter Schrift einige Namen der durch dieses Massaker ermordeten Menschen.<br>Je weiter wir in den Raum gehen desto mehr sind wir von Bildern umgeben und desto mehr bekommen wir eine leise Ahnung der Ausma\u00dfe dieser menschenverachtenden Angriffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abschluss des Rundganges zeigen die ehemaligen Folterkammern und die Zellen der Gefangenen des Baath-Regimes. Die Foltermethoden wie \u201ePal\u00e4stinenserhaken\u201c und \u201eBastonade\u201c werden zum Teil durch lebensgro\u00dfe Gipsfiguren sehr anschaulich dargestellt. \u201eWir hatten zuvor auch Original Tonspuren der Folter in den Verh\u00f6rr\u00e4umen abgespielt, aber auch aufgrund der zeitlichen N\u00e4he, der Tatsache, dass auch \u00dcberlebende und deren Angeh\u00f6rige hierher kommen, haben wir das wieder eingestellt\u201c, berichtet uns der Guide.<br>Auch eine Zelle f\u00fcr Frauen und Kinder ist vorhanden. In den 21 m2 kleinen Raum wurden bis zu 50 Frauen und Kinder gesperrt. Eine Tafel weist darauf hin, dass die Kinder h\u00e4ufig als Druckmittel gegen die M\u00fctter benutzt wurden, so wurden sie zum Beispiel von den M\u00fcttern getrennt, um diese zu Aussagen zu zwingen. Soldaten des Saddam Regimes fuhren durch Suleman\u00ee und nahmen junge Frauen mit, die sie in Amna Suraka vergewaltigten.<br>Die verschlungenen G\u00e4nge des Foltergef\u00e4ngnisses sollten die Gefangenen verwirren, berichtet der Guide. An den W\u00e4nden sind die ber\u00fchrenden Inschriften der Gefangenen durch eine dicke Folie gesch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover\"><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim\"><\/span><img decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"576\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-459\" alt=\"\" src=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/89.jpg\" data-object-fit=\"cover\" srcset=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/89.jpg 768w, https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/89-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Wieder zur\u00fcck im Hellen treffen wir auf eine junge Frau, die uns auf Englisch anspricht. Sie berichtet davon, dass sie in London lebt, wohin ihre Eltern vor den Anfal Offensiven geflohen sind. An diesem Ort des Schreckens sucht sie nach ihren Wurzeln. \u201eWer seid ihr?\u201c fragt sie. Als sie h\u00f6rt, dass wir eine Frauen*delegation auf den Spuren des Befreiungskampfes der kurdischen Frauen sind, strahlt sie und sagt: \u201eEs macht mich stolz, dass kurdische Frauen heute die Vork\u00e4mpferinnen des weltweiten Befreiungskampfes sind\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.12.2018 Das Museum Amna Suraka in Gedenken an kurdische Freiheits*k\u00e4mpferinnen war zu der Zeit des Baath-Regimes ein Geheimdiensthauptquartier und Foltergef\u00e4ngnis unter Ali Hassan Majin, dem ber\u00fcchtigten \u201eChemie Ali\u201c.2 Diese Sicherheitsfestung, 16,880 m\u00b2 gro\u00df, wurde am 30.09.1979 mit Hilfe der DDR im Zentrum von Suleman\u00ee erbaut. 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