{"id":568,"date":"2022-07-07T14:05:40","date_gmt":"2022-07-07T12:05:40","guid":{"rendered":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=568"},"modified":"2022-08-24T16:08:13","modified_gmt":"2022-08-24T14:08:13","slug":"frauen-in-der-militaerischen-selbstverteidigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=568","title":{"rendered":"Frauen in der milit\u00e4rischen Selbstverteidigung"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>24.12.2018<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen nur schleppend voran auf der langen Stra\u00dfe von Koban\u00ea Richtung Minbij. M\u00fcssen immer wieder abbremsen und uns durch die massiven Schlagl\u00f6cher schl\u00e4ngeln, einige Male absch\u00fcssig fahren, um den Weg passieren zu k\u00f6nnen. Und doch ist es etwas Besonderes, dass wir diesen Weg nehmen k\u00f6nnen. Wir passieren Stadttore auf denen noch immer Teile der alten Daesh-Symboliken erkennbar sind. Sie bl\u00e4ttern jetzt herunter, bisher schien noch keine Zeit sie abnehmen zu k\u00f6nnen. Das Tor an sich aber, kontrolliert die Selbstverwaltung. \u201eWas uns hier jetzt so entspannt erscheint, haben wir sehr hart erk\u00e4mpft\u201c, wird die Freundin Cihan wenige Tage sp\u00e4ter in Ayn Isa sagen, eine der arabischen St\u00e4dte, in denen noch bis vor Kurzem Daesh regierte. In Minbij angekommen, treffen wir noch zuvor Heval Bese.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Frauen haben lange gek\u00e4mpft, waren Kommandantinnen in verschiedenen Operationen. Sie leisteten Aufbauarbeit in milit\u00e4rischen und zivilen Strukturen. Sie beschreiben eindringlich, welche Kraft von den Frauen hier f\u00fcr den Kampf ausgeht. Sie haben miterlebt, wie sich Frauen gegen alle Widerst\u00e4nde ihren Platz in diesem Krieg erk\u00e4mpft haben und welche immensen Schwierigkeiten sie daf\u00fcr \u00fcberwinden mussten. Der Krieg in Rojava und sp\u00e4ter in Ostsyrien war dadurch nie nur einer zwischen den verschiedenen Kr\u00e4ften, er war immer auch einer um die Selbstbestimmung der Frauen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"518\" src=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/40.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-410\" srcset=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/40.jpg 768w, https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/40-300x202.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>YPG-K\u00e4mpferin bei der Er\u00f6ffnungsfeier in Jinwar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Vor Koban\u00ea<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lange bevor mit der YPJ die ersten organisierten Fraueneinheiten dieser Dimension gegr\u00fcndet wurden, haben Frauen die Kriege mitgetragen. Immer war es neu, dass Frauen an der Waffe k\u00e4mpften, immer mussten sie sich darin behaupten. \u201eAnfangs haben wir ganz konspirativ die Waffentrainings organisiert\u201c, erz\u00e4hlt Cihan. Es gab einige Wenige, die Erfahrung gehabt h\u00e4tten, die dann in kleinen Gruppen in verschiedene St\u00e4dte gingen um dort mit den Familien \u00fcber den Aufbau von Frauenverteidigungseinheiten zu sprechen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201e<em>Vor allem ging es um Bildung, die am Anfang meistens in den H\u00e4usern der Familien stattgefunden hat. Als wir mehr wurden, gr\u00fcndeten wir Teams, ungef\u00e4hr 5 bis 6 Leute zusammen. Wenn wir die M\u00f6glichkeit hatten, sind wir in gr\u00f6\u00dfere H\u00e4user gegangen, Schulen oder \u00c4hnliches. F\u00fcr das Training sind wir aus der Stadt heraus gefahren, mindestens 45 Minuten. Jede Frau hatte dann 3 Kugeln, immer hat eine Wache gehalten. Weil wir sehr wenig Material hatten, mussten wir gut \u00fcberlegen wie wir es einsetzen. Die erste richtige Akademie fand in Amud\u00ea statt. Dort gab es geschlossene Bildungen \u00fcber mehrere Wochen lang. Danach hat sich viel in Afr\u00een abgespielt, weil es dort Berge gab. Diese Bildungen waren viel tiefergehender, weil wir dort einen gemeinsamen Alltag hatten. Eigentlich sind diejenigen, die damals dort waren und sich ausbilden haben lassen, sp\u00e4ter die Kommandantinnen geworden. Wir mussten uns immer tarnen. Frauen haben die Waffe vor sich getragen, als w\u00e4ren es Kinder, oder haben sie am Motorrad versteckt. Sp\u00e4ter haben wir uns in Stadtteilteams aufgeteilt. Dadurch gab es in jedem Stadtteil immer mindestens eine Person f\u00fcr den AufbauIrgendwann mussten wir niemanden mehr selbst ansprechen, dann sind die Leute selbst auf uns zugekommen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"512\" src=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/44-edited-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-573\" srcset=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/44-edited-1.jpg 384w, https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/44-edited-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Zum ersten Mal waren die Fraueneinheiten in den K\u00e4mpfen von Serekaniye 2013 pr\u00e4sent, bis sie letztlich in Koban\u00ea zu dem weltweit bekannten Symbol des Widerstandes geworden waren. \u201eUmso mehr sich die Frauen angeschlossen haben, desto mehr kamen auch die M\u00e4nner\u201c, so Cihan, \u201eganz oft konnten sie das mit ihrem Stolz nicht vereinbaren, dass sie zu Hause blieben, w\u00e4hrend die Frauen k\u00e4mpften.\u201c Sie habe es sehr oft erlebt, dass M\u00e4nner sagten: \u201eWir reden nicht einmal mit Frauen, wie k\u00f6nnt ihr sie zu euren Kommandantinnen machen.\u201c Der Bruch des gesellschaftlichen Bildes war immer wieder enorm, gibt es doch kaum einen Bereich, der so sehr mit M\u00e4nnlichkeit verbunden wird, wie der Krieg. Dementsprechend hoch waren die Schockmomente in den Einheiten auf beiden Seiten, wenn Freunde Seite an Seite mit Freundinnen k\u00e4mpften, aber auch wenn der Feind auf Frauen als Gegnerinnen traf. Mit der Gr\u00fcndung der YPJ 2014 sollte eine organisierte milit\u00e4rische Kraft der Frauen geschaffen werden. Dar\u00fcber hinaus sollte die YPJ zum Ort des Kennenlernens werden, von sich und von anderen Frauen, so beschreibt es Cihan, \u201eEs ist eine Verteidigungskraft f\u00fcr alle Frauen in dieser Welt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:35px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Die Symbolkraft von Koban\u00ea und Minbij<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beide sprechen von der gro\u00dfen Aufopferungsbereitschaft der Frauen. So sei es in Koban\u00ea, Afr\u00een, Minbij und allen anderen Schlachten dieses Krieges gewesen. Vor allem in Koban\u00ea sei diese Wahrheit \u00fcber den Kampf der Frauen in alle \u00d6ffentlichkeit getragen worden, dass macht ihn so besonders. Der Angriff auf Koban\u00ea war auch deswegen ein Angriff gegen die Frauenbewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Stadt Minbij befreit wurde war Heval Bese eine der sehr wenigen weiblichen Kommandantinnen, auch in Koban\u00ea war sie dabei gewesen. Beide Orte sind zu Symbolen im Kampf um die Revolution geworden, erz\u00e4hlen sie doch einerseits die Geschichte vom Widerstand der Frauen und andererseits die Ausweitung der Revolution auf erstmals mehrheitlich arabische Gebiete.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstmals hatte Koban\u00ea den Krieg in Syrien auf eine neue Ebene gebracht, erz\u00e4hlt Bese, \u201ehier wurde die ganze Welt mit Daesh konfrontiert\u201c. Deutlicher als je zuvor wird es 2014, dass dieser Kampf einer ist, der auf den Schultern der Frauen getragen wird. \u201eIn Koban\u00ea standen Frauen im Mittelpunkt und nicht daneben\u201c, sagt Bese. F\u00fcr den Krieg war das ein Wendepunkt, konnte Daesh doch auch durch die Unterst\u00fctzung der internationalen Kr\u00e4fte erfolgreich zur\u00fcckgeschlagen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In Koban\u00ea sollte sich die Grundlage f\u00fcr die Ausweitung des Befreiungskampfes auf ganz Syrien legen. Das Gebiet, das zu diesem Zeitpunkt unter der Kontrolle Daeshs lag, war im Vergleich zu heute riesig. Uns wird wieder einmal bewusst wie jung all diese Geschichten sind, die der Widerstand hier hervorgebracht hat. Dass Daesh auf seinem H\u00f6hepunkt war, so gro\u00dfe St\u00e4dte wie Minbij oder Raqqa besetzt hielt, ist gerade einmal 3 Jahre her.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Freundin \u00fcber die Zeit unter Daesh erz\u00e4hlt, dann spiegeln sich darin auch die Erfahrungen all der anderen Frauen wieder, die von ihrem Leben in dieser Zeit berichten. In dieser \u201ebeispiellosen Grausamkeit\u201c, sagt Bese, blieben einem Menschen nur zwei M\u00f6glichkeiten, wenn er seine Identi\u00e4t nicht v\u00f6llig aufgeben wollte: fliehen oder sterben. Daesh sei eben nicht nur eine Organisation, sondern viel mehr eine Denkform, die die Menschen dazu zwingt ihre eigene Idenit\u00e4t v\u00f6llig aufzugeben. Bese sieht vor allem darin den ideologischen Zusammenhang zu staatlichen Strukturen, wie dem Regime, aber auch den FSA. \u201eEs ist das gleiche Bewusstsein, weil keine Menschen \u00fcbrig gelassen werden, sondern nur Herrschaft\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Koban\u00ea sollte die Befreiung von Minbij ein weiterer Krieg von enorm hoher Symbolkraft werden. Erstmals wurde eine Stadt befreit, deren Bev\u00f6lkerung mehrheitlich arabisch war.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel weniger als noch in den Gebieten Rojavas konnte sich die Bewegung hier einer Unterst\u00fctznug der Menschen vor Ort sicher sein. Das Projekt der \u201eDemokratischen Nation\u201c au\u00dferhalb von Kurdistan, wurde erstmals hier aufgebaut. So wurde auch in Minbij ein Grundstein f\u00fcr die Ausweitung des Projektes auf ganz Syrien gelegt. Die Befreiungen von Tabqa, Raqqa und Ayn Isa folgten darauf. Die Stadt Minbij verbindet den Norden mit dem Osten und ist eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4dte Syriens. \u201eEin Verlust der Stadt f\u00fcr Erdogan und Daesh, hie\u00df auch die Verbindung nach Raqqa abzuschneiden.\u201c Das machte Minbij also sowohl aus ideologisch als auch taktischen Gr\u00fcnden enorm wichtig. \u201eDie Schlacht um Minbij war die schwerste und verlustreichste von allen, sagt Bese, wir h\u00f6ren das immer wieder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach Kobane, vor Minbij<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Koban\u00ea formten sich jene Kr\u00e4fte die nur ein Jahr sp\u00e4ter Minbij befreiten. Zentral dabei vor allem der sogenannte Milit\u00e4rrat, ein B\u00fcndnis vor allem jener Kr\u00e4fte, die zuvor als FSA vor Daesh geflohen waren. Allein in Minibij waren bis zu 86 verschiedene milit\u00e4rische Einheiten in der Stadt pr\u00e4sent, erz\u00e4hlt Bese, sie flohen beinahe vollst\u00e4ndig beim Einzug von Daesh. Die meisten gingen nach Rojava und schlossen sich dort in Teilen der YPG an. \u201eDort sammelten sie Erfahrung und es kam zu einer grundlegenden Neustrukturierung auf milit\u00e4rischer Ebene!\u201c, so Bese. Die milit\u00e4rische Einheit kann jedoch nicht \u00fcber die tiefen idelogischen Unterschiede hinwegt\u00e4uschen, die dadurch hervortraten. Wie Bese beschreibt, existierte innerhalb dieser neuen Gruppen kein bzw. nur wenig Bewusstsein f\u00fcr Frauen in milit\u00e4rischen Strukturen. Sie seien vielfach vom Ausland unterst\u00fctzt gewesen, d<\/p>\n\n\n\n<p>urch Staaten wie Saudi-Arabien oder der T\u00fcrkei und ihr Verh\u00e4ltnis zur Gesellschaft und der Rolle der Frauen war dementsprechend gepr\u00e4gt. F\u00fcr Kommandantinnen wie Bese war dies als Grundlage f\u00fcr die Ausweitung der Befreiungssk\u00e4mpfe nicht leicht, hatte man doch in Koban\u00ea erlebt, wie stark Frauen den Widerstand in der Bev\u00f6lkerung gepr\u00e4gt oder gar erst m\u00f6glich gemacht haben. Es verwundert also kaum, dass in den Einheiten bei der Befreiung von Minbij anfangs keine Frauen anwesend waren. Der Kampf gegen den Daesh blieb damit auch hier gleichzeitig der Kampf der Frauen um ihre Rolle in diesem Krieg. \u201eF\u00fcr viele dieser Staaten ist eine Mentalit\u00e4t vorherrschend, die die Gesellschaft zerst\u00f6rt. Dort ist kein Platz f\u00fcr Frauen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas erste was wir tun, wenn wir in Minbij sind, ist ein Frauenbatallion aufbauen\u201c, hatte Feysal Abu Layla zu Heval Bese gesagt, kurz bevor die Operation auf Minbij gestartet hatte. Es war ein Gespr\u00e4ch unter Kommandant und Kommandantin. Bese war zu diesem Zeitpunkt die einzig weibliche F\u00fchrungsperson in den Einheiten, um sie herum nur M\u00e4nner. Als in Minbij von zwei Fronten operiert wurde, war sie auf beiden vertreten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"576\" src=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/1110217-768x576-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-570\" srcset=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/1110217-768x576-1.jpg 768w, https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/1110217-768x576-1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Krieg ist nicht gleich Krieg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Schlacht um Minbij so stark von M\u00e4nnern dominiert war, hei\u00dft nicht, dass Frauen dabei keine wichtige Rolle gespielt h\u00e4tten. Das ganze Gegenteil ist der Fall, macht Bese deutlich. Heval Cihan betont es auch immer wieder: \u201eEs gab durchaus in den Einheiten die Einstellung, dass eine Selbstverteidigung nur dann legitim ist, wenn auch Frauen beteiligt sind. Nur musste sich dieses Bewusstsein eben erst in breiten Teilen etabilieren\u201c, so Bese. \u201eDer Druck auf die wenigen Frauen war enorm hoch\u201c, mussten sie doch einerseits in einem der schwersten St\u00e4dtekriege k\u00e4mpfen und waren andererseits als Frauen enorme Hoffnungstr\u00e4ger f\u00fcr die umliegenden Gebiete. Es habe zwar professionelle K\u00e4mpfer gegeben, aber in vielen Einheiten k\u00e4mpften M\u00e4nner die nur eine kurze Ausbildung erhalten hatten. Sie k\u00e4mpften vor allem gegen den Daesh, nicht vordergr\u00fcndig auch um die Befreiung der Frauen und der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau in dieser Praxis tritt die Bedeutung von Frauen im Kampf an die Menschen. In ihren Erz\u00e4hlungen l\u00e4sst Cihan uns sp\u00fcren, dass Kriege nicht gleich Kriege sind. Unser Bild von Kriegen sei ein staatliches, ein m\u00e4nnliches, denn das seien sie in der Geschichte auch immer gewesen. Sie sind Kriege von M\u00e4nnern: angelegt auf Zerst\u00f6rung. Ein Krieg von Frauen f\u00fcr Frauen sei aber anders. Er k\u00e4mpfe f\u00fcr den Kern des Lebens, bedeutet den Aufbau einer neuen Existenz, das sei etwas das sie sp\u00e4testens in Minbij wirklich gelernt habe.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201e<\/em><em>Hier habe ich verstanden, dass Frauen in Kriegen ganz neue Wege entwickeln, neue F\u00e4higkeiten erlangen und mit Sch\u00f6pfungskraft diesen Kampf f\u00fchren.\u201c<\/em><em> Eine Frau bleibt auch als Kriegerin immer Mutter, Schwester und Freundin. Wir wussten damals nicht auf was wir treffen werden. Wie die Menschen und vor allem die Frauen auf uns reagieren werden. <\/em><em>Dann kamen uns Frauen entgegen, die sich sofort dem Kampf anschlie\u00dfen wollte<\/em><em>n<\/em><em>. <\/em><em>Gerade weil den Frauen unter Daesh so viel angetan wurde, war es besonders wichtig, dass Frauen in diesen Operationen beteiligt sind. Ihre Organisierung, war letztlich der gr\u00f6\u00dfte Widerstand den sie Daesh entgegen bringen konnten. <\/em><em>Das alles geschah so viel<\/em><em> schneller als wir es je gedacht h\u00e4tten. Sie haben sich die schwarzen Kleider abgezogen und sie verbrannt. Das war die gr\u00f6\u00dfte Motivation die ich je erlebt habe. Ein Gef\u00fchl, dass man weder aufschreiben noch erz\u00e4hlen kann. <\/em><em>D<\/em><em>as ist einfach in dir drin, mit jedem Moment den du so erlebst. <\/em><em>Jeder erlebte Moment darin ist wertvoll und eine Geschichte f\u00fcr sich. <\/em><em>Ein Gef\u00fchl, den eigenen Kampf f\u00fcr Freiheit <\/em><em>und<\/em><em> die gro\u00dfe Sehnsucht <\/em><em>danach<\/em><em> mit anderen Frauen geteilt <\/em><em>zu haben<\/em><em>\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichten aller Freundinnen, die gek\u00e4mpft haben oder es immer noch tun, gleichen sich in dieser Erz\u00e4hlung: Wenn Frauen in den Einheiten sind, wird anders gek\u00e4mpft. Sie geben Glauben, k\u00fcmmern sich um alle. Deswegen, so sagt Bese, h\u00e4tten auch M\u00e4nner mehr Vertrauen in die Anweisungen von Frauen, weil sie w\u00fcssten, dass Entscheidungen zu ihrem Schutz passieren. Frauen lie\u00dfen weder Verwundete noch Gefallene zur\u00fcck, eine Art und Weise die in Kriegen von M\u00e4nnern so oft normal w\u00e4re. So auch im Umgang mit dem Feind: \u201eM\u00e4nner erschie\u00dfen Daesh-K\u00e4mpfer aus Rache sehr oft, Frauen hingegen nehmen sie gefangen und machen ihnen einen Prozess\u201c, beschreibt es Cihan. \u201eWenn eine Frau neben einem Mann k\u00e4mpft so lehrt sie ihn auch diese Art des K\u00e4mpfens\u201c. So schwer der Krieg auch war, es war vor allem die Geduld und die Kraft der Freundinnen, die immer wieder dazu ermutigt h\u00e4tte, nicht aufzugeben. \u201eEs gibt einen Geist von Freundschaft unter den Freundinnen, der f\u00fcr den Kampf zentral ist. Sie k\u00f6nnen diesen Geist in die ganze Menschheit tragen. Dieser Geist unter all den M\u00e4nnern und Frauen war eigentlich der gr\u00f6\u00dfte Erfolg dieser Schlacht. Diese Ver\u00e4nderung erreichen Frauen nicht nur in den eigenen Einheiten, sie ver\u00e4ndern damit auch den Feind, sagt Cihan.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFrauen k\u00e4mpfen mit ihrer eigenen Farbe\u201c &#8211; das ist ein Sinnbild, welches wir hier immer wieder zu h\u00f6ren bekommen. Es spricht von einer neuen Mentalit\u00e4t, die diese Revolution hervorbringen soll und von der Kraft der Frauen, mit der dieser Krieggek\u00e4mpft wird. Die Art und Weise mit welcher der Kampf gef\u00fchrt wird, ist zugleich auch eine Lehre aus all den historischen Erfahrungen gescheiterter Revolutionen. Die m\u00e4nnliche, staatliche Art des Kriegf\u00fchrens liegt tief auf allen Seiten und doch beschreiben beide Freundinnen wie grundlegend der gemeinsame Kampf die Frauen und M\u00e4nner ver\u00e4ndert: \u201eEine solche Schlacht ist immer auch eine Bildung f\u00fcr sich selbst und dann auch f\u00fcr die Gruppe. \u201eJede einzelne Operation war deswegen eine Gesellschaftsver\u00e4nderung\u201c, erz\u00e4hlt Cihan.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach Minbij<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Minbij wollten wir die Tr\u00e4ume der Gesellschaft und von Abu Layla verwirklichen.\u201c, sagt Bese.<\/p>\n\n\n\n<p>Und trotzdem gibt es noch Daesh. \u201eDu kannst K\u00f6rper vernichten, aber den Geist vernichtest du nicht\u201c, so Cihan. Die Befreiung der V\u00f6lker in unbeschadeter Form zu erreichen sei nicht nur Taktik gewesen, der Kampf aller zusammen gegen Daesh ist eine Strategie um die Zusammenkunft der V\u00f6lker auch in der Zukunft gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen. Durch den Milit\u00e4rrat habe es in Minbij nach der Befreiung die Phase des Aufbaus gegeben, die noch immer anh\u00e4lt. \u201eDas war noch schwieriger als die Befreiung selbst\u201c, sagt Bese, \u201e7 Gebiete, 3500 K\u00e4mpfer, fast alles M\u00e4nner, die zum Teil weder milit\u00e4rische noch ideologische Disziplin hatten\u201c. Mittlerweile sind immer mehr Frauen auch im Milit\u00e4rrat in hohen Positionen, darunter sind auch Frauen die zuvor mit Daesh M\u00e4nnern verheiratet waren. Sie sind auch in den arabischen Gebieten in allen Bereichen der Selbstverwaltung pr\u00e4sent, oft viel motivierter als die M\u00e4nner selbst, sagt sie. \u201eJede Kugel, die du abschie\u00dft, schie\u00dft du f\u00fcr den Frieden, den du dann aufbauen musst. Milit\u00e4rische und gesellschaftliche Arbeit sind deshalb gleich wichtig. Wir haben damals unter dem Dach der Freundschaft gek\u00e4mpft, jetzt muss es darum gehen diesen auch im Aufbau weiterzutragen.\u201c Dies sei ein Kampf der nie zu Ende w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:46px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/42.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-412\" width=\"524\" height=\"698\" srcset=\"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/42.jpg 768w, https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/42-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 524px) 100vw, 524px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.12.2018 Wir kommen nur schleppend voran auf der langen Stra\u00dfe von Koban\u00ea Richtung Minbij. 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