{"id":651,"date":"2022-08-23T16:26:14","date_gmt":"2022-08-23T14:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=651"},"modified":"2022-08-24T16:03:48","modified_gmt":"2022-08-24T14:03:48","slug":"die-bethnahrin-frauenverteidigungskraefte-hsbn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=651","title":{"rendered":"Die Bethnahrin Frauenverteidigungskr\u00e4fte HSBN"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>31.01.2019<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Suryoye (Aram\u00e4er*innen, Assyer*innen und Chald\u00e4er*innen) gr\u00fcndeten im Januar 2013 ihre eigenen Verteidigungskr\u00e4fte, die MFS in Rojava\/Nordsyrien. Seit 2015 haben sie auch eigene Fraueneinheiten, die HSBN. Die Frauenkr\u00e4fte haben einen St\u00fctzpunkt au\u00dferhalb der Stadt in einem syrianischen Dorf, wo wir sie mit unserer Delegation besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich wird zun\u00e4chst Tee und Kaffee serviert. W\u00e4hrend wir Platz nehmen erz\u00e4hlt uns die Kommandantin Inanna, dass sie vor einigen Jahren aus Deutschland hergekommen ist, um die Suryoye in Bethnahrin (aram\u00e4isch f\u00fcr das Land zwischen Euphrat und Tigris) gegen Daish (Islamischer Staat) zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gr\u00fcndung erster Fraueneinheiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie HSBN (Haylawotho d&#8217;Sutoro d&#8217;Neshe d&#8217;Beth Nahrin<em>) <\/em>wurden am 30. August 2015 gegr\u00fcndet. Beim Aufbau wurden sie von dem MFS (Milit\u00e4rrat der Suryoye \u2013 Mawtbo Ful\u1e25oyo Suryoyo) und Sutoro (autonome Sicherheitskr\u00e4fte der Suryoye) sowie der YPJ unterst\u00fctzt\u201c, berichtet Inanna. Die Anfangszeit sei sehr schwer gewesen, f\u00e4hrt sie fort: \u201eWir waren es nicht gewohnt, auf uns selbst zu vertrauen, sich f\u00fcr andere einzusetzen. In der ersten Ausbildungseinheit waren wir 30 Frauen, sie wurde vom MFS und den YPJ geleitet. Wir haben Ausbildung an verschiedenen Waffen erhalten, auch Nachtwanderungen etc. gelernt. Es war sehr schwer und anstrengend f\u00fcr uns. Wir waren es nicht gewohnt, aber alle haben durchgehalten. Die Ausbildung dauerte einen Monat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frauen berichten uns weiter, dass sie nun eine eigene Milit\u00e4rakademie bei Til Temir aufgebaut h\u00e4tten, an der die Frauen f\u00fcr die HSBN und die Sutoro ausgebildet w\u00fcrden. Weibliche Sutorokr\u00e4fte gebe es in D\u00earik und Hesek\u00ea.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnsere Fraueneinheiten haben sich an den Operationen in Hol, Schaddadi&nbsp;und Hesek\u00ea beteiligt, bei uns gibt es Aram\u00e4erinnen, Assyerinnen, Armenierinnen und sogar Kurdinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst scheint es, dass die kurdischen und arabischen Frauen unterdr\u00fcckter sind als die Suryoye, bei uns gibt es zum Beispiel keine Polygamie. Allerdings sind die kurdischen Frauen wesentlich aktiver als die Suroye-Frauen. Unsere Freiheit ist wohl eher \u00e4u\u00dferlich. Ich denke, jede Frau hat ein K\u00f6rnchen Freiheit in sich, das gegossen werden muss\u201c, f\u00e4hrt Inanna fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie beschreibt die Reaktion der Familien, als sich ihre T\u00f6chter dem HSBN angeschlossen haben: \u201eF\u00fcr die Familien war es anfangs sehr schwer zu akzeptieren, die Eltern hatten die Einstellung, dass Frauen das nicht k\u00f6nnen. Der Ehrbegriff ist zwar bei uns nicht so verankert wie in der kurdischen Gesellschaft, aber dennoch wurde es den Frauen nicht zugetraut zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beteiligung an Kampfeins\u00e4tzen gegen Daish<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erste Erfahrungen haben wir im Krieg in Hol gesammelt, dort waren wir noch eher in der hinteren Front. In Shaddadi konnten wir dann schon Erfahrung in den Angriffsgruppen sammeln, den Wind des Krieges kennenlernen\u201c, berichtet Inanna.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir waren zwei Monate in Shaddadi, dort mussten wir lernen, viel zu laufen. Manchmal f\u00fcnf bis sechs Stunden. An der Front hatten Bagger die Stellungen ausgehoben. Es war Februar, es hatte viel geregnet, wir hatten in den ersten Tagen keine Decken und keine Zelte. Es ist uns schwer gefallen, dass wir unter den M\u00e4nnern keine Privatsph\u00e4re hatten. Wir waren nur vier Frauen unter vielen M\u00e4nnern. Unsere Gruppe hatte aber als einzige ein Auto. Der MFS hat uns gerufen, denn weiter vorne an der Front war eine Mine explodiert. Daish hatte alles vermint und in kurzem Abstand sind Minen hochgegangen. Der MFS und die YPG haben versucht, eine Mine zu entsch\u00e4rfen und sie ist explodiert.\u201c Die Erfahrung, die Leichen der Genossen zu sehen, ist sehr hart gewesen, habe sie aber st\u00e4rker gemacht, sagt Inanna.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frauen sind stark geworden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie berichtet dar\u00fcber, dass sie \u00fcber den Fernsehsender Suryoyo TV vom MFS erfahren und sofort beschlossen habe, sich anzuschlie\u00dfen. \u201eIm Februar 2015 gab es den ersten Gefallenen beim MFS, da hatte ich das Gef\u00fchl, dass ich kommen muss. Meine Mutter hat viel geweint und mich versucht zur\u00fcckzuhalten, aber mein Vater hat mich verstanden. Zu Hause hatte ich polnische und t\u00fcrkische Freundinnen, von denen hat nur eine verstanden, warum ich gehe. Zu den anderen habe ich den Kontakt abgebrochen. Ich habe mich in Deutschland schon immer fremd gef\u00fchlt. Dieses Gef\u00fchl ist verschwunden, seitdem ich hier bin.\u201c Am Anfang habe sie sich unwohl gef\u00fchlt, denn die kulturellen Codes seien ganz andere. Hier w\u00fcrden junge Frauen, die nicht nach den Regeln lebten, sehr misstrauisch beobachtet. \u201eWas macht so ein junges Ding hier alleine?\u201c Aber die Haltung gegen\u00fcber Frauen hat sich in den letzten Jahren stark ver\u00e4ndert. \u201eDie Frauen trauen sich jetzt viel mehr zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage, wie denn der Alltag der Fraueneinheiten aussehe, antwortet Inanna: \u201eWir stehen morgens um sechs Uhr auf, machen einen Appell, dann Sport und Fr\u00fchst\u00fcck. Wir halten 24 Stunden Wache, aber der Schwerpunkt unserer Arbeit ist Bildung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Haltung syrianischer Familien gegen\u00fcber der Bewegung sagt Inanna, viele seien noch an das Regime gebunden, aber nur aus Angst davor, dass es zur\u00fcckkommen k\u00f6nnte. Sehr viele Familien h\u00e4tten Nordsyrien verlassen, aber tats\u00e4chlich seien jetzt einige zur\u00fcckgekommen. Die Familien, die gegangen sind, sind dort nicht gl\u00fccklich\u201c, f\u00e4hrt Inanna fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Tiamat, eine weitere K\u00e4mpferin, sagt, dass es ihr wichtig sei, ihr Volk sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Sie habe bei den HSBN sehr viel gelernt. Viele aus ihrer Familie seien bei den Sutoro oder dem MFS. Ihre Familie h\u00e4tte nichts dagegen gehabt, dass sie sich angeschlossen hat. \u201eIm Gegenteil\u201c, sagt sie. \u201eWir st\u00e4rken uns als Frauen. Die Frauen stehen jetzt im Zentrum.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>31.01.2019 Die Suryoye (Aram\u00e4er*innen, Assyer*innen und Chald\u00e4er*innen) gr\u00fcndeten im Januar 2013 ihre eigenen Verteidigungskr\u00e4fte, die MFS in Rojava\/Nordsyrien. Seit 2015 haben sie auch eigene Fraueneinheiten, die HSBN. 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