{"id":757,"date":"2022-08-24T14:52:40","date_gmt":"2022-08-24T12:52:40","guid":{"rendered":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=757"},"modified":"2022-08-24T14:52:40","modified_gmt":"2022-08-24T12:52:40","slug":"bericht-zur-fachtagung-gender-studies-trifft-jineoloji","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gemeinsam-kaempfen.de\/?p=757","title":{"rendered":"Bericht zur Fachtagung \u201eGender-Studies trifft Jineoloj\u00ee\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>30.10.2020<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie viel Gesellschaftskritik braucht eine feministische Wissenschaft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Freitag, den 30.10.2020, veranstalteten das Marie Jahoda Center for International Gender Studies \u2013 Ruhr Universit\u00e4t Bochum, die Hochschule Emden\/Leer und das Netzwerk kurdischer Akademiker*Innen in einem digitalen Rahmen eine Fachtagung zur Begegnung von Gender Studies und Jineoloj\u00ee. Letztere ist eine neue Wissenschaftsform aus der kurdischen Bewegung, die Wissenschaft (-logi) der Frau (jin) und des Lebens (jiyan). Die Beitr\u00e4ge der verschiedenen Referent*Innen sollten sowohl die M\u00f6glichkeit bieten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Wissenschaftsformen aufzuzeigen, Kritiken zu betrachten und zu erl\u00e4utern, als auch Gedanken zu Angemessenheit und Intentionen verschiedener Zug\u00e4nge zu einer Kritik der gesellschaftlichen Geschlechterverh\u00e4ltnisse anzuregen. Die Tagung bestand aus sechs Redebeitr\u00e4gen und gliederte sich in zwei Abschnitte, die sich jeweils auf den Vor- und Nachmittag verteilten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine kurze Einf\u00fchrung in die Jineoloj\u00ee und Frauenbefreiungsideologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Dilar Dirik (Soziologin, Universit\u00e4t Oxford) begann mit einem kurzen historischen Abriss der Kurdischen Befreiungsbewegung und erl\u00e4uterte dessen Tradition der kollektiven Forschung und des gemeinsamen Theorisierens. Als wesentlichen Aspekt betonte sie dabei die Wichtigkeit der Frauenbefreiungsbewegung<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> und der autonomen Organisation der Frauen in jeglichen organisatorischen Sph\u00e4ren. Zum Erreichen einer kollektiven Identit\u00e4t der Frau f\u00fcr die autonome Organisierung ist die Kombination theoretischer Ideen mit praktischen Umsetzungen notwendig. Teil davon sind die Theorie der Losl\u00f6sung aus patriarchalen Strukturen und Denkweisen, die Frauenbefreiungsideologie, das Projekt der Transformation des Mannes und das Projekt des freien Lebens. Die Entwicklung der Frauenbefreiungsideologie startete bereits in den 1990er Jahren und findet in den letzten 10 Jahren neue Formen der kollektiven Wissensaneignung, Wissensproduktion und Wissenschaftskritik in der Jineoloj\u00ee. Die Jineoloj\u00ee wurde erstmals von Abdullah \u00d6calan in seinem Werk \u201eSoziologie der Freiheit\u201c erw\u00e4hnt und kann im Deutschen als die \u201eWissenschaft der Frau und des Lebens\u201c \u00fcbersetzt werden. Entgegen der autorit\u00e4r und patriarchal gepr\u00e4gten herk\u00f6mmlichen Geschichtsschreibung und Wissenschaft, formuliert die Jineoloj\u00ee eine Kritik an dieser Wissenschaft. Ausgehend von dieser Kritik werden verschiedenste gesellschaftliche Bereiche aus einer anti-autorit\u00e4ren und antipatriarchalen Perspektive analysiert mit dem Ziel, ein freiheitliches Zusammenleben beschreiben, als auch leben zu k\u00f6nnen. Die Perspektive baut auf den Prinzipien der Frauenbefreiungsideologie auf, somit auf der Liebe zur Heimat (hier internationalistisch zu verstehen als Kultur, Natur und Schutz gegen Faschismus, Patriarchat, Kolonialismus usw.), der autonomen Organisiertheit, dem freien Denken und freien Willen, Kampf und Widerstand und zuletzt einer \u00c4sthetik entgegen der Reduzierung der Frau als sexualisiertes Objekt. Die Ans\u00e4tze sind \u00fcber die Kurdische Bewegung hinaus umsetzbar und st\u00e4rken die Entwicklung einer revolution\u00e4ren Haltung in allen Lebensbereichen gegen eine Vereinnahmung durch Liberalismus und Patriarchat. Die Jineoloj\u00ee soll keine \u201aAlternative\u2018 zum Feminismus darstellen, sondern auf dem Erbe aller Frauenk\u00e4mpfe aufbauen. Ziel ist es, die Frauenk\u00e4mpfe international zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine kurze Einf\u00fchrung in die Geschichte und Bedeutung der Gender Studies<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss f\u00fchrte Dr. Christine L\u00f6w (Politikwissenschaftlerin, Universit\u00e4t Frankfurt a.M.) in die Geschichte der Gender Studies ein und betrachtete auch in Bezug auf deutsche Frauen*bewegungen vor allem das Verh\u00e4ltnis von Theorie und Praxis. Zuerst stellte sie die Verbindung von Frauen*bewegungen (Handlungen der Akteur*Innen in politischen K\u00e4mpfen), Feminismus (politische Haltung) und Gender Studies (wissenschaftliche Reflexionsformen) dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer kurzen Orientierung an den \u201adrei Wellen\u2018 des Feminismus differenzierte Dr. Christine L\u00f6w verschiedene Stufen der Institutionalisierung der Geschlechterforschung in der Wissenschaft. Es begann 1976-1982 mit den Sommeruniversit\u00e4ten f\u00fcr Frauen* aus der Frauen*bewegung und aus akademischen Institutionen. Die Durchsetzung von Lehrveranstaltungen zu verschiedenen Auseinandersetzungen mit Geschlecht und geschlechtlichen Machtverh\u00e4ltnissen. Die Professionalisierung geschah 1989\u20131997 mit der expliziten Umbenennung der Frauen*- bzw. Geschlechterforschung zu Gender Studies. Dadurch wurden Geschlechterperspektiven in Studieng\u00e4ngen und der Studienordnung implementiert. Der Eintritt in die anerkannte wissenschaftliche Disziplin birgt allerdings auch die Gefahr der Disziplinierung wie auch die Festschreibung von Wissen (Kanonisierung), wodurch Machtverh\u00e4ltnisse reproduziert werden, anstatt sie aufzul\u00f6sen. Des Weiteren betrachtete Dr. Christine L\u00f6w das Verh\u00e4ltnis von Praxis und Theorie. Auch bei deutschen Frauen*bewegungen in den 1970er Jahren war Autonomie ein wesentlicher Bestandteil der politischen Auseinandersetzung, f\u00fcr die Bewusstseinsbildung, als Schutzraum und zur Formierung und Organisierung. In den Gender Studies als akademischer Disziplin verschwindet diese Autonomie, denn es wird sich nun an wissenschaftlichen Standards orientiert, obwohl diese gleichzeitig kritisiert werden. Denn akademische Standards sind durch patriarchale und autorit\u00e4re Strukturen gepr\u00e4gt und eine Orientierung an diesen reproduziert diese Verh\u00e4ltnisse. Auch wird die Orientierung an Berufsqualifizierung, die Akademisierung und Entpolitisierung durch Anpassung kritisiert. Dabei sollte das Ziel einer kritischen Gesellschaftstheorie die Emanzipation von Machtstrukturen sein. Insgesamt fasste Dr. Christine L\u00f6w zusammen, dass die Gender Studies die Konstruktion des Geschlechtes transdisziplin\u00e4r in verschiedenen Zusammenh\u00e4ngen und die Auswirkungen auf politische Macht analysieren und bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten kritisieren. Abschlie\u00dfend stellte sie den aktuellen Stand und einen zuk\u00fcnftigen Ausblick auf die Disziplin der Gender Studies vor. Bisher sind die Auseinandersetzungen haupts\u00e4chlich in gesellschafts- und geisteswissenschaftlichen Studieng\u00e4ngen zu verorten. Bei Studieng\u00e4ngen wie Jura, Medizin, BWL und naturwissenschaftlichen Studien sind diese Themen noch nicht so verankert und wirksam im Lehrplan. Die stetige Zunahme der Auseinandersetzung an Hochschulen und Universit\u00e4ten kann aber demokratisierende Momente mit sich bringen, da Machtstrukturen aufgedeckt und in Frage gestellt werden. Besonders wichtig in Anbetracht der Angriffe von rechts, die den Gender Studies eine \u201aPolitisierung der Wissenschaft\u2018 vorwerfen. Ein Ziel w\u00e4re es, sich auch im Rahmen der Gender Studies wieder radikale Systemkritik aneignen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Perspektive aus Rojava<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss des ersten Abschnittes hielt \u015eerv\u00een N\u00fbdem (Jineoloj\u00ee Akademie Qamislo, Demokratische F\u00f6deration Nord- und Ostsyrien) ein Impulsreferat zur Verbindung dieser unterschiedlichen Ans\u00e4tze und beschreibt die Arbeit der Frauen in Rojava. Dabei betonte sie, dass dieser Beitrag aus dem kollektiven Austausch und Diskussion mit den anderen Frauen der Akademie entstanden ist. \u015eerv\u00een N\u00fbdem erkl\u00e4rte, dass Gender Studies in Rojava eher unbekannt sind, der Diskurs der kurdischen und arabischen Frauen drehe sich dabei dann um die Implementierung von Gender Studies durch amerikanische Institute, welche sich nicht an den Bed\u00fcrfnissen der Frauen vor Ort orientieren und imperialistische und rassistische Strukturen mit sich bringen. In Rojava werden stattdessen Modellen entwickelt, die jenseits von Staat und Macht existieren k\u00f6nnen. In ihren Forschungen wollen die Frauen die Beziehung zwischen Wissenschaft, Leben und der Frauenbewegung aufrechterhalten. Ihr pers\u00f6nlicher Kontakt und Austausch zu den vielen Frauen in den Gebieten Rojavas f\u00fchrt zu gegenseitigen Prozessen der Reflexion und Wissensbildung, wodurch die Frauen eine Schaffens- und Willenskraft entwickeln und sie in der M\u00f6glichkeit und dem Recht best\u00e4rkt werden, zu autonom handelnden Subjekten zu werden. Das Frauendorf Jinwar ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie das Leben nach solchen Prinzipien realisiert werden kann. In Rojava wird Jineoloj\u00ee als Schul- und Studienfach angeboten und dessen Inhalte in den Regionen autonom gestaltet. Die Lehre der Jineoloj\u00ee soll daran mitwirken, den Demokratischen Konf\u00f6deralismus aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Beitr\u00e4ge befassten sich auch mit der Definition der Frau. In den Gender Studies wird die Frau vor allem in ihrer sozialen Konstruktion definiert und betrachtet, wohingegen sie in der Jineoloj\u00ee als eine Gesamtheit der Existenz in Verbindung zu kulturellen, politischen und \u00f6konomischen Dimensionen verstanden wird. So soll eine Rolle der Frau mit nicht nur einem Begriffsverst\u00e4ndnis entstehen. F\u00fcr beide Wissenschaftsformen ist die Frage relevant, inwiefern der Begriff und die Kategorie Frau in ihrer Bezeichnung notwendig sind, um politische K\u00e4mpfe f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Die Analyse \u00fcber geschlechtliche Realit\u00e4ten aus verschiedenen Perspektiven ist wesentlich. Es darf aber nicht nur bei der Analyse gesellschaftlicher Missst\u00e4nde belassen werden, sondern es sollten dar\u00fcber hinaus Handlungsoptionen entwickelt werden, um eine Alternative zu herrschenden patriarchalen Verh\u00e4ltnissen zu verwirklichen. Die Jineoloj\u00ee bietet daf\u00fcr eine Basis. Die Pr\u00e4senz von Gender Studies und die M\u00f6glichkeit der akademischen Auseinandersetzung mit geschlechtlichen Unterdr\u00fcckungsmechanismen bleibt weiterhin wichtig aber k\u00f6nnten sich f\u00fcr die Wiederaneignung einer radikalen Systemkritik, die auch in der Praxis Handlungsm\u00f6glichkeiten bietet, an Ans\u00e4tzen der Jineoloj\u00ee orientieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach einer einst\u00fcndigen Pause wurde die Tagung mit zwei weiteren Redebeitr\u00e4gen und eine anschlie\u00dfenden Diskussion fortgesetzt. Der zweite Teil der Tagung befasste sich mit Genderfragen im politischen Kontext und wie Verbindungen zum Ziel der radikalen Ver\u00e4nderung der Gesellschaft geschaffen werden k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Havin G\u00fcne\u015fer von der Internationalen Initiative Freiheit f\u00fcr Abdullah \u00d6calan \u2013 Frieden in Kurdistan, referierte aus der inneren Perspektive von schwierigen, notwendigen Ver\u00e4nderungsprozessen innerhalb der Kurdischen Bewegung bzw. innerhalb der PKK.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sprach \u00fcber die zunehmende Beteiligung von Frauen in allen Bereichen des Kampfes, der anf\u00e4nglichen Unterdr\u00fcckung von Frauen innerhalb der Strukturen der Bewegung und die notwendig erk\u00e4mpften Ver\u00e4nderungen. Diese erreichten Sie mit wachsendem Selbstbewusstsein und der R\u00fcckendeckung von Abdullah \u00d6calan durch die Schaffung eigener, autonomer Frauenstrukturen, wie der Frauenarmee, Frauenakademien, Partei etc. Im letzten Teil ihres Vortrages beschrieb sie die Wichtigkeit der von \u00d6calan stammenden These, das Mindset des dominanten Mannes zu t\u00f6ten. Der Prozess der Ver\u00e4nderung der M\u00e4nner sei so schwer gewesen, da diese viele Privilegien besa\u00dfen und sie nicht von ihnen abr\u00fccken wollten. Innerhalb der PKK wurde jene Ver\u00e4nderung bewirkt, als gesehen wurden, dass die Frauen, die sich der Partei anschlossen, nicht mehr in ihr altes Leben zur\u00fcckkehren wollten. Aus seinen Analysen schlussfolgerte Abdullah \u00d6calan, dass der unterdr\u00fcckende Staat die institutionalisierte M\u00e4nnlichkeit sei. Diese Unterdr\u00fcckung spiegle sich in der Familie wieder, da die herrschende Hand des Mannes \u00fcber die gesamte Familie bestimmt. So muss der Staat und ebenso das bestehende patriarchale Familienkonstrukt \u00fcberwunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Feminismus &#8211; Kritik und Herausforderung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Beitrag referierte Dr. Muriel Athenas, Historikerin an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum, \u00fcber den Feminismus und dessen Kritik und Herausforderungen. Dabei ging sie zuerst auf die Geschichte des Feminismus ein und l\u00f6ste sich dabei von normativer und linearer Geschichtsschreibung. Die Geschichte des Feminismus sei ein komplexes Gef\u00fcge, die in einem Korrelationssystem zueinander stehen und sich zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich bedingen. Um die Kritik an der Vereinfachung, \u201eVerwestlichung\u201c und linearen Geschichtsschreibung zu verdeutlichen, wurde Donna Haraway zitiert: \u201eGeschichte ist eine Erz\u00e4hlung, die sich die Fans westlicher Kultur gegenseitig erz\u00e4hlen. Wissenschaft ist ein anfechtbarer Text und ein Machtfeld, der Inhalt ist die Form. Basta.\u201c Durch ein hegemoniales Narrativ wird direkt ein bedeutsamer Teil der Geschichtsschreibung ausgeschlossen, was zu einer Vereinfachung und somit unvollst\u00e4ndigen Geschichtsschreibung f\u00fchrt. Dr. Muriel Athenas forderte ein Anzweifeln von Herrschafts- und Machtverh\u00e4ltnisse und eine Zur\u00fcckgewinnung der Selbstbestimmtheit. In der Geschichte der Feminismen sei die Vielf\u00e4ltigkeit die grundlegende Gemeinsamkeit.<br>Weiter im Vortrag ging sie auf den Feminismus in Theorie und Praxis ein. Dabei liege dem Feminismus ein Begehren zu Grunde, das den Wunsch nach Transformation und Ver\u00e4nderung der bestehenden Verh\u00e4ltnisse ausdr\u00fcckt. Man d\u00fcrfe jedoch in keine Romantisierung verfallen. Als Beispiel wurden die K\u00e4mpfe der \u201eThird World Women\u201c im angloamerikanischen Raum der 1980er Jahre thematisiert. Diese Frauen* unterlagen einer mehrfach Unterdr\u00fcckung aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Gesellschaftsstatus, ihrer Sexualit\u00e4t, etc. Als Folge wurde damals (wie heute) Kritik an dem wei\u00dfen Mittelschichtsfeminismus ge\u00fcbt, als Reaktion auf diese Unterdr\u00fcckung entwickelte sich die Identit\u00e4tspolitik der POC Frauen*. (Als Beispiel wurde das \u201eCombahee River Collective\u201c genannt, das aus lesbischen POC Frauen* bestand). Die Taktik der \u201eThird World Women\u201c lag unter anderem darin, Aufmerksamkeit durch gro\u00dfe Veranstaltungen zu erregen. Dadurch wollten sie ihre feministische Politik in einen \u00f6ffentlichen Diskurs bringen und die \u201efirst\u201c und \u201ethird world Women\u201c miteinander verbinden. Als eine wichtige Akteurin der mehrfach unterdr\u00fcckten Frauen* wurde die indische Feministin Chandra Talpade Mohanty kurz vorgestellt. Zum Abschluss kam die Referentin zu der Forderung nach einer feministischen Epistemologie bzw. Wissenschaft. Dabei schlussfolgerte Dr. Muriel Athenas, dass die Kategorie Geschlecht als die Manifestierung einer gesellschaftsordnenden und -normierenden bipolaren Einteilung als Macht- und Ordnungsprinzip gespiegelt werden m\u00fcsse. Denn nur eine solch gelagerte Forschung in Verbindung mit sozialen Bewegungen k\u00f6nne die Gesellschaft in unserem Sinne bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verbindungen und Unterschiede zur Jineoloj\u00ee<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss wurde die Diskussion vom Vormittag zu Verbindungen und Unterschieden zwischen Gender Studies und Jineoloj\u00ee wieder aufgegriffen und zusammen mit den Impulsen aus den weiteren Vortr\u00e4gen vertieft. Der Fokus ging nun verst\u00e4rkt dahin, wie Theorieentwicklung und revolution\u00e4re Praxis sich (wieder) als Bestandteile des gleichen Projektes etablieren k\u00f6nnen. Dabei kamen die Referent*Innen zum Schluss, dass die Jineoloj\u00ee von vornherein viel von vergangenen feministischen Kritiken gelernt und diese mit einbezogen hat. Die Jineoloj\u00ee bezieht sich selbstverst\u00e4ndlich und von Beginn an auf \u201eemotionale Welten\u201c, f\u00fcr dessen Anerkennung als wissenschaftliche Quelle die Akademiker*Innen jahrelang zu k\u00e4mpfen hatten. Dabei soll Wissenschaft sozialer und gesamtgesellschaftlicher betrieben werden. Die Art und Weise des Vorgehens der Jineoloj\u00ee kann ein Vorbild sein, das \u00fcbertragbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Diskussions- und Fragerunde fasste Dr. Marlene Sch\u00e4fers, Sozialanthropologin an der Universit\u00e4t Cambridge, die Tagung mit einem Abschlusskommentar zusammen. Dersim Dagdeviren vom Vorstand von Kurd-Akad e.V. beendete die Tagung, nicht zuletzt auch mit einem gro\u00dfen Dank an die \u00dcbersetzer*Innen, die die Tagung durchgehend simultan auf Englisch \u00fcbersetzt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde angek\u00fcndigt, dass die geschnittene Videoaufzeichnung der Tagung bald ver\u00f6ffentlicht und mit Literaturhinweisen erg\u00e4nzt wird.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Die Jineoloj\u00ee benutzt den Begriff \u201eFrau\u201c ohne Asterisk.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30.10.2020 Wie viel Gesellschaftskritik braucht eine feministische Wissenschaft? 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